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Bereits zum 21. Mal helfen viele Hände, Spender, Teilnehmer, Firmen, Werkstätten und private Initiativen wichtige und notwendige Projekte für Menschen mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung durch die Unterstützung der Oldtimerspendenaktion in die Tat umzusetzen. Der Erlös der Spendenaktion fließt in diesem Jahr in Wohnraum für von Autismus betroffene Menschen.

Teilnehmen kann mit einer Spende von 5,- Euro oder einem Betrag nach Wahl. Es warten tolle Klassiker und Youngtimer, wahlweise mit vier oder zwei Rädern, auf glückliche Gewinner. Mehr dazu findest Du am Ende dieses Artikels. Die Oldtimerspendenaktion der Lebenshilfe Giessen findest Du übrigens auch auf Facebook (Jetzt Fan werden)!

1. Preis: Mercedes-Benz 300 SL Cabriolet, Bj. 1985

1. Preis_Mercedes-Benz 300 SL

Es gibt Dinge, die über den Mercedes-Benz R 107 noch nie gesagt wurden. Schmutzige Dinge, direkt aus dem Ölsumpf der Peinlichkeiten. Schauergeschichten von spinnerten Steuergeräten, räudigem Rostfraß und traumatischen Farbkombinationen, die nur Hartgesottene ertragen konnten. Warum das alles noch nie über den R 107 gesagt wurde? Weil es über ihn kaum Negatives zu sagen gibt. Der offenste Benz der 70er ist ein so ehrliches Automobil, dass der Fahrer sich beinahe schämt, wenn er sportiv die Arme zum Lenkrad ausstreckt und mit dem rechten Fuß 138 PS zur Hinterachse geleitet. Und dann dieser Name: „300 SL“, wie der legendäre Roadster der 50er Jahre. Anders als dieser zieht unser Blauer – eine Spende von Guido Hommel/ClimAir aus Okarben – nicht jeden Blick auf sich. Das blaue 1985er Exemplar aus der modellgepflegten, zweiten 107er-Generation kann beinahe alles: Lebemännisch um Kurven sausen wenn‘s beliebt, oder die Frisur der Gattin schonen, wenn der Haussegen davon abhängt. Der ideale Wagen für ein Wochenende zu zweit, unprätentiös und doch vergnüglich – genau so, wie die Ingenieure es wollten, als sie ihm die Tugenden der Marke Mercedes-Benz mitgaben, und ihn für die letzten Jahre bis zur Produktionseinstellung 1989 noch mal fit machten: Mit klar geformten Leichtmetallrädern serienmäßig und einem gründlich überarbeiteten Fahrwerk. Unter anderem. Schauergeschichten? Können nur die erzählen, die noch nie einen R 107 genossen haben!

2. Preis: Daimler V8, Bj. 1963

2. Preis_Daimler V8

Sir Bernard und Lady Docker hatten es einfach zu bunt getrieben. Auf Reisen Geld verjubelt, es sich gut gehen lassen, und immer ein bisschen zu dick aufgetragen: Allein 8000 Pfund kostete das Daimler-Werk die Garderobe seines Chefs und dessen Gattin für den Pariser Autosalon 1954. Als offizieller Hoflieferant des britischen Königshauses schien Daimler, die (älteste) britische Marke mit den deutschen Wurzeln, offenbar genug aristokratischen Rückhalt zu haben – doch die Queen wartete nur darauf, ihren Fuhrpark mit Rolls-Royce ausstatten zu dürfen. Was sie ab 1955 auch tat, dem zweifelhaften Benehmen der Dockers sei Dank. Ein Jahr später warf Daimler seinen Chef-Hedonisten endlich raus, die Rettungsphase der Marke begann 1959 mit dem S.P. 250: ein etwas skurril geformter Roadster mit einem kleinen Wunderwerk unter der Haube: Ein 2,5 Liter-V8 mit 140 SAE-PS, der dem Zeichenbrett von Edward Turner entsprungen war. Der ehemalige Motorrad-Konstrukteur hatte sich nicht zurückgehalten, dem Aggregat viel Drehfreude mitzugeben – ein Faktum, das Jaguar-Gründer Sir William Lyons nicht entgangen sein dürfte, als er 1960 Daimler übernahm. Denn schon 1962 erschien der souveräne kleine Brüller im Daimler 250 V8, der die Karosserie des Jaguar MK II wenn schon nicht verschleierte, so doch mindestens auf eine höhere Ebene erhob. Irgendwie auch dank der Eskapaden von Sir Bernard und Lady Docker. Und dank unseres Spenders, Michael Fabich.

3. Preis: Alfa Romeo Spider, Bj. 1983

3. Preis_Alfa Romeo Spider

Als Alfa seinem Spider einen zeitgeistigen Gummiwulst an den Hintern pappte, sorgte das unter Fans für einen Aufschrei, als ginge es um Graffiti-Schmierereien auf einem Michelangelo-Meisterwerk. Als hätten sie die Wahl gehabt: Mitte der 80er-Jahre befriedigten nur noch wenige Autobauer die Lust am Offenfahren. In Arese bauten sie derweil einfach ihren Spider weiter – und lagen goldrichtig, allen Geschmacksdiskussionen zum Trotz: Der Aerodinamica ist noch heute der erfolgreichste Spider der Alfa-Geschichte. Noch vor dem Ur-Spider Duetto, berühmt geworden durch Dustin Hoffman in „Die Reifeprüfung“, und dem Fastback mit seinem betörenden Pininfarina-Cut am Heck. Heute macht so ein 80er-Jahre Spider jene glücklich, die ihren Espresso gerne in weißen Tennissocken genießen. Und alle anderen Kinder der Sonne. Dieses Exemplar trägt die kleine 1,6-Liter-Maschine mit 103 PS unter seiner blauen Haube, gespendet hat es der PS.SPEICHER in Einbeck.

4. Preis: VW Fridolin, Bj. 1973

4. Preis_VW-Fridolin

Wie der Typ 147 zu seinem Kosenamen kam, weiß heute keiner mehr. Wohl aber, dass die gelben Kastenwägelchen ein ganze Dekade zum Fuhrpark der Bundespost gehörten. Die suchte Anfang der 60er nach einem Klein-Kombi für Paketzustellung, Briefkastenentleerung und Fernsprechdienst. Der Käfer war zu klein, der Bulli zu groß. Der zuletzt eingesetzte Goggomobil-Transporter der Firma Glas hatte sich zwar laderäumlich bewährt, doch das elektromagnetische Vorwählgetriebe hielt dem Widerstand der Postler gegen moderne Technik einfach nicht stand. Schließlich entwickelte das Volkswagen-Werk in Zusammenarbeit mit den Karossiers von Westfalia in Rheda-Wiedenbrück ein Postauto auf dem Chassis des Karmann-Ghia: Mit zwei Schiebetüren, 34 PS starkem Käfer-Motor im Heck und Scheinwerfern vom Typ 3. Die Entwickler schnürten ein Paket, das die Postbeamten der Sechziger und frühen Siebziger treu begleitete – und auch nicht überforderte. Leider biss sich der Rost so aggressiv durchs Blech wie Dackelzähne durch Briefträger-Waden. Nur wenige der 6139 zwischen 1964 und 1974 gebauten Typ 147 existieren noch. Dieses toprestaurierte Exemplar spendet die Firma Dunlop.

5. Preis: Mercedes-Benz 280 CE, Bj. 1978

MB C123 (Blechstrecke)

MB C123 (Blechstrecke)

So ein Sechszylinder-Coupé fuhren einst Leute, die man ungern duzen mochte. Damals, als sich die Bundesrepublik auf dem Gipfel ihrer Wirtschaftsmacht befand. Ein Mercedes-Benz 280 CE war in den späten 70er-Jahren der Fabrikanten-Gattin vorbehalten. Kleinbürger mit Angestelltengehältern griffen einmal im Leben zu den Vierzylinder-Modellen, wenn sie es geschafft hatten. Mehr gehörte sich nicht. Ein kürzerer Radstand, niedrigere Fensterflächen und das Weglassen der B-Säule verleihen dem Coupé im Vergleich zur Limousine deutlich mehr Grandezza. Dieses Exemplar mit Viergangschaltgetriebe hat Jürgen Rang aus Köln gestiftet. Sein 177 PS starker Doppelnocker-M 110 zieht das Topmodell der Baureihe 123 in 9,9 Sekunden von null auf 100 und auf bis auf 200 km/h Spitze. Mit jener Selbstverständlichkeit, mit der die Schwaben ihre geliebte „Kehrwoche“ zelebrieren. Von seiner autoritären Ausstrahlung ist dem C 123 heute nicht mehr viel geblieben: Längst hat sich der potente Biedermeier vom Establishment in die Szene gewagt. Ein Glück! Denn heute spielt es keine Rolle mehr, wer Du bist, wenn es darum geht, ob es ein Sechszylinder sein darf.

6. Preis: Opel Commodore B, Bj. 1977

6. Preis_Opel Commodore B

Der Commodore gehörte zu den Flotten der Flokati-Ära. Darüber hinaus sind es nicht nur seine Größe und Lässigkeit, die ihn als Klassiker so begehrenswert machen. Für das Design des Opel Rekord B, auf dem das Sechszylinder-Modell Commodore basiert, war Charles M. „Chuck“ Jordan verantwortlich. Der Mann, der auch Meilensteine wie den 1959er Cadillac Eldorado oder den Opel GT verantwortete. Und es in seiner Karriere bis zum Design-Vize von General Motors schaffte. Die faltenfreie Eleganz des Commodore B zeigt sich an diesem Exemplar ganz deutlich. Längst nicht allen 70er-Jahre-Autos stand giftiges Grün so gut wie dem coolen Commodore. Zumal in Tateinheit mit dem schwarzen Vinyldach. Unter der Haube werkelt in diesem Fall ein 2,5-Liter-Reihensechser mit Registervergaser und 115 PS. Der geschmeidige Motor mit seinem säuselnden Stimmchen macht aus dem Quasi-Ami eine ernstzunehmende Mercedes-Alternative. Und es muss nicht das Topmodell GS/E sein, damit wir erfahren können, was so ein Sechszylinder-Opel seinen Erstbesitzern bedeutete. Auch Urban Priol trennte sich nur für den guten Zweck von seiner 70er Jahre Ikone!

7. Preis: DAF 55 Coupé, Bj. 1970

7. Preis_DAF 55 Coupé

Holland mochte nicht der beste Fußball-Kumpel sein, doch holländische Autos kauften die Deutschen in den 60er und 70er Jahren gerne. Schließlich kam aus „Van Doorne's Automobiel Fabriek“ in Eindhoven der Daf 55: Ein Auto, das italienisches Design mit spannender Technik verband. Zugegeben – die Technik interessierte typische Daf-Kunden hauptsächlich deshalb, weil sie per Führerschein-Einschränkung keine Schaltwagen fahren durften und als eher zaghafte Verkehrsteilnehmer die geltenden Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht auszureizen gedachten. Und der Daf hatte mit seinem stufenlosen Variomatic-Getriebe ein System an Bord, das nicht mal danach verlangte, bei Fahrtantritt oder -ende einen Schalthebel zu bedienen: Reinsetzen, starten, Gas geben, bremsen. Und gut aussehen, vor allem im Daf 55 Coupé: Wie die Limousine von Giovanni Michelotti entworfen, erfreuen sich Herren an seiner schlichten Eleganz, und Damen müssen dem Daf nur in die Augen schauen, um stufenlos dahin zu schmelzen. Zudem ist der kleine Niederländer mit 55 PS aus dem 1,1 Liter-Vierzylinder des Renault 8 nicht langsam, sondern ein flottes kleines Automobil. Oder besser gesagt: Ein guter Kumpel, der mit Apollo Vredestein, aus Vallendar einen würdigen Spender gefunden hat.

8. Preis: Simson Schwalbe KR 51/1, Bj. 1979

8. Preis_Simson Schwalbe

Wenn es um wirklich wichtige Entscheidungen ging, mochte die DDR der Kreativität ihrer Werktätigen lieber nicht blind vertrauen. Vielleicht war es im Falle der Namensfindung für den neuen Simson 50 ccm-Kleinroller anno 1963 auch besser so. Da druckte die Mitarbeiter-Zeitung „Motor“ eine ganze Reihe von Vorschlägen wie Simsonette, Biene, Susi und Muli. Die Geschichte weiß, dass es glücklicherweise anders kam, und die Schwalbe schließlich eine ganze Vogel-Serie aus Spatz, Star, Habicht und Sperber anführte. Und es ist ebenso kein Geheimnis, dass die Beliebtheit der Mopeds aus dem Thüringischen Suhl im ersten Nachwende-Jahrzehnt vor allem ihrer Leistung und ihrer Endgeschwindigkeit jenseits der 60 km/h zu verdanken war – eine Schwalbe, so wissen Liebhaber der Schnapsglas-Klasse, fliegt einfach im Verkehr mit, statt ihn aufzuhalten. Außerdem ist sie dank ihrer großen Räder komfortabler als eine Vespa, und fährt sich mit Dreigang-Fußschaltung auch wesentlich erwachsener. Unter den Laternengaragen Kreuzbergs wäre die neptunblaue Schwalbe KR 51/1 von Spender Thorsten Dampf aus Alsfeld deshalb ebenso gut aufgehoben wie draußen in der Provinz – ein schönes Plätzchen findet sich schließlich leichter als ein toller Name.

Logo Oldtimerspendenaktion Lebenshilfe Gießen e.V
Viele weitere Preise warten auch dieses Jahr wieder auf unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dafür ein herzliches Dankeschön an die Spender!

Teilnehmen kann mit einer Spende von 5,- Euro oder einem Betrag nach Wahl auf unser Spendenkonto bei der Sparkasse Gießen, IBAN: DE38 5135 0025 0200 6260 00, BIC: SKGIDE5FXXX. Bitte Namen und Adresse nicht vergessen! Aktionsende ist am 20. Januar 2016.

Mitmachen kann man auch online oder per Fax unter www.oldtimerspendenaktion.de, dort gibt es auch viele Informationen rund um die Oldtimerspendenaktion, die Fahrzeuge und die Spendenprojekte. Aktionsende ist am 20. Januar 2016.

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Michael Peschel

Michael ist der Betreiber von GermanMotorKult. Gleichzeitig auch Verfasser der meisten Artikel im Blog Magazin. Zudem ist er Social Media Spezialist, Editor und Inhaber der KFZ-Marketing Agentur MotorMarketing.

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