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Das 46. ADAC Zurich 24h-Rennen ist mit einem 90-minütigen Schlussakkord zu Ende gegangen: Nach einer rund zweistündigen Nebelunterbrechung am Sonntagmittag feierte der Manthey-Porsche #912 in einem spektakulären Sprint-Duell mit dem Black-Falcon-Mercedes #4 den Rekordsieg beim größten Autorennen der Welt. Allein diese beiden Fahrzeuge waren nach dem Restart um 13:59 Uhr noch in einer Runde und lieferten sich vor 210.000 Zuschauern einen verbissenen Kampf, den letztlich der Franzose Fred Makowiecki für Manthey entschied. Für das Team aus Meuspath direkt an der Nordschleife ist es der erste 24h-Erfolg seit 2011 und der sechste insgesamt, womit die Truppe um Teamgründer Olaf Manthey jetzt alleiniger Rekordgewinner ist. Für Porsche war es der zwölfte Triumph. Die 47. Ausgabe des ADAC Zurich 24h-Rennens findet vom 20. bis 23. Juni 2019 statt.

Adam Christodoulou im Mercedes-AMG GT3 erreicht das Ziel mit 26,413 Sekunden Rückstand auf den Manthey Porsche. Foto: Daniel Schäfer

„Was für ein Rennen, sehr emotional und großartig für Porsche und den gesamten Motorsport. Dieser Sieg ist für das ganze Team. Dies ist eines der härtesten Rennen, denn es kann so viel passieren und es gibt so viele siegfähige Autos. Man hat vielleicht zwei oder drei Chancen im ganzen Leben, einen Sieg wie diesen zu holen. Es ist großartig“, sagte der Brite Nick Tandy, Le Mans-Sieger von 2015, der gemeinsam mit Richard Lietz (Österreich), Patrick Pilet (Frankreich) und Makowiecki triumphierte – für alle vier war es der Premierenerfolg beim 24h-Rennen. „Für Porsche konnte es zum 70. Geburtstag nicht besser laufen. Wir widmen diesen Sieg Dr. Porsche zum runden Geburtstag. Wir haben den Rundenrekord gebrochen, so kann es weitergehen für uns“, sagte Porsche-Sportchef Dr. Frank-Steffen Walliser.

Yelmer Buurman, Thomas Jäger, Jan Seyfarth und Luca Stolz von Mercedes-AMG Team Black Falcon komplentieren das Podium. Foto: Daniel Schäfer

Entscheidendes Manöver in der Mercedes-Arena
Das entscheidende Überholmanöver gelang „Mako“ 1:11 Stunden vor Schluss in der Einfahrt zur Mercedes-Arena, mit einer Berührung zwischen den beiden Autos. Christodoulou ließ sich aber nicht abschütteln, selbst eine Leitplanken-Berührung hielt den Briten nicht auf. Am Ende entschieden aber 26,413 Sekunden zu Gunsten von Makowiecki – der zweitknappste Einlauf in der Geschichte des Rennens nach den 5,697 Sekunden beim Black-Falcon-Erfolg 2016.

„Ich habe alles probiert, aber ich konnte nichts machen. Wir kommen im nächsten Jahr wieder“, sagte Christodoulou, der mit Maro Engel (München), Manuel Metzger (Bad Säckingen) und Dirk Müller (Burbach) jeweils einen zweiten Erfolg beim 24h-Rennen verpasste. Den dritten Platz sicherte sich in einer ähnlich spannenden Dreier-Kampfgruppe der Niederländer Yelmer Buurman im Black-Falcon-Mercedes #5 vor dem Aston Martin #007 und dem Black-Falcon-Mercedes #6. Die Vorjahressieger des Audi Sport Team Land mit der #1 wurden Sechste, als vierter Hersteller auf den ersten sechs Plätzen.

Schon vor der Rennunterbrechung – der ersten seit dem Black-Falcon-Sieg 2016 und der erst siebten überhaupt seit der Premiere des 24h-Rennens 1970 – hatte das berühmte Eifelwetter all seine berüchtigten Facetten von strahlendem Sonnenschein bis zu unwetterartigen Regenfällen gezeigt.

„Das war eines der spannendsten und für alle Beteiligten nervenaufreibendsten 24h-Rennen, die es je gegeben hat“, sagte Rennleiter Walter Hornung: „Da war alles drin, was Motorsport so faszinierend macht: sensationelle Fahrer, tolle Rennfahrzeuge, ein Wettergott, der immer wieder ins Geschehen eingegriffen hat und eine Rennstrecke, die den Piloten in jeder Minute alles abverlangt.“

Mega-schneller Beginn
Begonnen hatte das Rennen am Samstagnachmittag bei strahlendem Sonnenschein und einer spektakulären Show von Kevin Estre im Manthey-Porsche #911. Der Franzose flog von der Pole Position dem Feld quasi davon, verbesserte gleich zweimal den bisherigen Rundenrekord von Augusto Farfus aus dem Jahr 2015 und legte früh den Grundstein für eine komfortable Führung seines Teams, die die Manthey-Truppe bis in die Nacht kontrollierte – bis der Franzose Romain Dumas im Regen von einer Ölspur aus dem Rennen gerissen wurde. Wie auch die Audi-Piloten Dries Vanthoor (#8) und Kelvin van der Linde (#1) bei heftigen Unfällen blieb Dumas unverletzt.

Kevin Estre im Manthey-Porsche #911 führt das Starterfeld in die 46. Auflage des ADAC Zurich 24h-Rennen Nürburgring. Foto: Daniel Schäfer

In die Bresche sprang zunächst das Manthey-Schwesterauto mit der #912, das sich aufgrund unterschiedlicher Boxenstopp-Rhythmen an der Spitze immer wieder mit dem Black-Falcon-Mercedes abwechselte. Allerdings leistete sich Patrick Pilet noch in der Nacht einen Fauxpas, als er in einer Code-60-Zone zu früh wieder beschleunigte. Nach einer sorgfältigen Prüfung von GPS- und Fahrzeugdaten sowie Videoaufnahmen, für die sich die Rennleitung aufgrund der Konstellation im Klassement bewusst sehr viel Zeit gelassen hatte, wurde eine Zeitstrafe von 3:32 Minuten ausgesprochen, die das Porsche-Team scheinbar vorentscheidend zurückwarf – bis die Unterbrechung wegen zu starken Nebels dreieinhalb Stunden vor Ablauf der 24 Stunden den Abstand zwischen den beiden führenden Autos wieder zur Makulatur werden ließ.

Stimmen aus der 24h Sieger Pressekonferenz

#912 Manthey Racing Porsche 911 GT3 R / Richard Lietz
„Ich glaube es war ein perfektes Wochenende für uns und für Porsche. Wir haben im Qualifying neue Rundenrekorde gesehen. Das war auch für uns etwas ganz Besonderes den das Niveau der Rennstrecke und dieser Serie sind extrem hoch. Nicht nur deutschlandweit, sondern auch international gesehen ist das eines der größten Rennen. Am Anfang sind wir durch einen Reifenschaden auf Platz 90 zurückgefallen, haben uns dann aber wieder nach vorne gekämpft. Dann haben wir allerdings eine Zeitstrafe bekommen, wofür wir uns entschuldigen – aber wenn man pusht kann so etwas passieren. Das Team hat das Auto perfekt vorbereitet und letztlich ist der Sieg das i-Tüpfelchen für dieses Wochenende und etwas ganz Besonderes für uns.“

#912 Manthey Racing Porsche 911 GT3 R / Patrick Pilet
„Das ist Motorsport! Einfach unglaublich und so ein Ergebnis ist etwas ganz Besonderes, gerade auf dieser Rennstrecke hier. Wir sind sehr glücklich über das Ergebnis, denn nach der roten Flagge haben wir erneut bei null begonnen! Ich habe das Rennen zu dem Moment der roten Flagge nicht gesehen, aber ich denke, es war die richtige Entscheidung. Es ist zwar schade für die Jungs von AMG, aber manchmal verliert man, manchmal gewinnt man. Und das hier war einfach verrückt!“

#912 Manthey Racing Porsche 911 GT3 R / Fred Makowiecki
„Unser Ingenieur hat entschieden, dass ich den letzten Stint fahren soll, da ich vor der roten Flagge gefahren bin und die Streckenbedingungen am besten in Erinnerung hatte. Nach dem Plattfuß in der ersten Runden hatten wir nichts mehr zu verlieren und es gab nur noch eine Strategie und die hieß: Jede Runde fahren was geht. Am Ende hat sich das auch ausgezahlt, auch wenn bei diesen Bedingungen etwas Glück sicherlich dabei war, weil gerade bei Nässe und Nebel so viel passieren kann.“

#912 Manthey Racing Porsche 911 GT3 R / Nick Tandy
„Die Strategie war nach der ersten Runde klar, alles geben und so viel wie möglich rauszuholen. Klar, gab es Situationen während des Rennens, wo wir das Auto reparieren mussten und Schwierigkeiten hatten. Es war ein interessantes Rennen, das 24h- Rennen ist besonders hart zu gewinnen. Umso stolzer sind wir hier zu sitzen.“

Der Manthey Porsche mit der Startnummer 911 ging von der Pole Position ins Rennen. Foto: Daniel Schäfer

#4 Mercedes-AMG Team Black Falcon Mercedes-AMG GT3 / Maro Engel
„Es war wieder ein grandioses Wochenende, das 24h- Rennen am Nürburgring ist einfach immer der Hammer! Auch ein riesiges Kompliment an die Zuschauer, die selbst bei dem schlechten Wetter das wir hatten geblieben sind. Klar, es war eng für uns, aber die Kollegen waren einfach schneller als wir erwartet hätten. Natürlich ist es schade, daß durch die rote Flagge unser Vorsprung dahin war, bei 24h hätte es vielleicht anders ausgesehen.“

#4 Mercedes-AMG Team Black Falcon Mercedes-AMG GT3 / Adam Chrstodoulou
„Als wir unseren letzten Boxenstopp gemacht haben waren wir uns nicht sicher ob es noch ein oder zwei Runden sind und sind auf Nummer sicher gegangen und haben etwas mehr getankt. Das hat zum einen eine Lücke aufgerissen und um ehrlich zu sein haben die Reifen auch etwas nachgelassen. Ich habe zwar alles versucht aber leider hat es nicht ganz gereicht. Wir alle haben das ganze Rennen über gepusht ich zum Schluss sogar etwas zu viel, deshalb auch mein kleiner Ausritt ins Gras kurz vor Schluss. Aber auf jeden Fall Glückwünsch an die Sieger es war ein tolles Rennen, aber ich freue mich schon auf nächstes Jahr da werden wir ihnen dann ordentlich einheizen.“

#4 Mercedes-AMG Team Black Falcon Mercedes-AMG GT3 / Manuel Metzger
„Bei so einem Rennen weiß man nie, wie die Wetterverhältnisse werden. Es kann bei einem 24h-Rennen so viel passieren. Diesmal kam der Regen früher als erwartet, sodass wir haben wahrscheinlich eine Runde zu spät gestoppt haben. Ansonsten waren wir auf alles vorbereitet und haben auch alle Probleme gut gelöst. Bis zur roten Flagge hatten wir keinen Fehler gemacht und keinen Kratzer am Auto und waren ein perfektes Rennen gefahren. Danach haben wir das Maximum gegeben. Letztlich knapp Zweiter zu werden beim stärksten und schwierigsten Autorennen der Welt kann sich durchaus sehen lassen.“

#4 Mercedes-AMG Team Black Falcon Mercedes-AMG GT3 / Dirk Müller
„Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge. Wir haben zwar den ersten Platz verloren, aber dafür den zweiten Platz gewonnen. Und bei dieser Schlacht da draußen, wie wir sie heute erlebt haben, ins Ziel zu kommen ist wirklich extrem toll.“
Andererseits hatten wir fast vier Minuten Vorsprung zum Zeitpunkt der roten Flagge.
Ohne die rote Flagge hätten wir das Rennen gewinnen können, aber so war es nicht.
Wir sind trotzdem glücklich. Jetzt geht Dank an meine Fahrerkollegen und das gesamte Team. Man muss wirklich alle loben, die zum Team gehören. Und natürlich auch die Fans, die uns immer die Treue halten.“

Der Manthey Porsche mit der Startnummer 911 ging von der Pole Position ins Rennen. Foto: Daniel Schäfer

#5 Mercedes-AMG Team Black Falcon Mercedes AMG GT3 / Yelmer Buurman
„Die rote Flagge hat unsere Chancen auf Podium natürlich stark verbessert und daher kam sie uns ganz passend, auch wenn das für unsere Teamkollegen vom Fahrzeug #4 nicht ganz der Fall war. Nachdem dann das Rennen wieder gestartet war habe ich gleich in der ersten Kurve einen Schlag aufs Heck bekommen und mich gedreht. Dann habe ich alles aus dem Auto heraus eholt und die Lücke zugefahren und die beiden Autos vor mir noch überholen können. Dass ich eine Sekunde vor Ablauf der Zeit über die Ziellinie gefahren bin ist wirklich blöd gelaufen und ich musste noch eine Runde fahren. Bei sowas kannst du eigentlich nur verlieren aber ich habe es dann langsam angehen lassen und den dritten Platz nach Hause gefahren.“

#5 Mercedes-AMG Team Black Falcon Mercedes AMG GT3 / Thomas Jäger
„Alle Hersteller bereiten sich gut auf dieses Rennen vor. Trotzdem wissen alle, auch die Kundenteams, wie schwierig und wie wenig planbar dieses Renne ist. Am Ende zwei Podestplätze belegen zu können ist ein tolles Ergebnis. Gratulation an Porsche zum Sieg. Wir sind als Fünfter in die letzte Stunde gegangen und letztlich hat es doch für´s Podium gereicht – einfach super. Wir sind überglücklich und werden nächstes Jahr ebenso gut vorbereitet zurückkommen.“

#5 Mercedes-AMG Team Black Falcon Mercedes AMG GT3 / Jan Seyffarth
„Mein Ziel ist definitiv nächstes Mal in der Mitte zu sitzen und den ersten Platz zu machen (lacht). Also ich bin auf jeden Fall wieder dabei im nächsten Jahr! Bis vor der roten Flagge war mein Ziel, auf jeden Fall bis aufs Podium zu fahren, aber jetzt wirklich hier zu sitzen fühlt sich einfach super an! Dieses Rennen ist das Highlight des Jahres und darauf arbeiten wir ein ganzes Jahr drauf hin und deshalb konzentrieren wir uns auch bald schon wieder auf das nächste Jahr.“

#5 Mercedes-AMG Team Black Falcon Mercedes AMG GT3 / Luca Stolz
„Ich war die letzte Stunde außerhalb unseres Autos, aber ich denke ich kann für alle sprechen, unser Puls mindestens genauso so hoch war (wie der des Siegerfahrers). Wir haben in der Box mitgefiebert und die Strategie mitentschieden und -geplant. Wir waren zwar sehr nervös, aber wir können (unserem Fahrer) vertrauen. Wir haben es geschafft.“

Quelle: www.24h-rennen.de
Fotos: Daniel Schäfer / DAS Sportfoto

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Daniel Schaefer