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Die Rückkehr der Grand-Prix-Stars von einst

  • Vorkriegsrennwagen starten beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix (10. – 12. August)
  • Rennfahrzeuge aus den Kindertagen des Nürburgrings: Ältestes Fahrzeug von 1920
  • Im historischen Fahrerlager begegnen sich Vorkriegsautos und Rallye-Ikonen

Drei Tage voller historischem Motorsport der Extraklasse erwarten die Besucher beim diesjährigen AvD-Oldtimer-Grand-Prix (10. – 12. August). Neben PS-Protzen wie der Historischen Formel-1-Meisterschaft der FIA, Sportwagen der 50er bis 2000er Jahre oder DRM- und DTM-Boliden präsentieren sich auch echte Raritäten: Im 1927 eingeweihten historischen Fahrerlager werden die Vorkriegsrennwagen unterkommen. Sie starten im Rahmen der „Vintage Sports Car Trophy“ zu Gleichmäßigkeitsprüfungen (GLP) auf dem modernen Grand-Prix-Kurs, zu Ausfahrten auf der Nordschleife und sogar zu einer Rundfahrt über Landstraßen rund um den Nürburgring. Die Zuschauer können damit erahnen, wie der Motorsport der Anfangsjahre aussah und welche Fahrzeuge die Generation der Groß- und Urgroßväter in Scharen zum Nürburgring zog. Denn das älteste derzeit genannte Teilnehmerfahrzeug ist bereits knapp 100 Jahre alt. Die mächtigen Kompressor-Mercedes-Modelle sind dabei ebenso zu erleben wie ein kleiner Rosengart LR 2 Sport von 1928. Auch BMW 328 oder MG K1 führen in die Frühzeit von heute noch bekannten Automobilherstellern zurück. Gleich nebenan im altehrwürdigen Fahrerlager des Nürburgrings stehen höchst moderne Klassiker: Es sind die Rallyeboliden der Interessengemeinschaft „Slowly Sideways“. Sie sind am Wochenende mit ihren Originalfahrzeugen ebenfalls im Einsatz zu sehen, denn sie werden am Samstag und Sonntag über die Nordschleife donnern. Der von Boxen umsäumte Platz zu Füßen der Nürburg wird damit zu einem Automobilmuseum der besonderen Art. Alle Informationen rund um das Wochenende, die Rennen und das Programm gibt es hier.

Foto: Albert Schäfer

Als der Nürburgring 1927 eingeweiht wurde, waren die ältesten Fahrzeuge, die beim diesjährigen AvD-Oldtimer-Grand-Prix zu sehen sein werden, bereits „Gebrauchtwagen“. So hat sich etwa ein Protos Typ C von 1920 angemeldet, der mit seinen 98 Jahren das älteste bislang angemeldet Fahrzeug darstellt. Die kleine Automobilschmiede aus Berlin, die um die Jahrhundertwende Fahrzeuge herstellte, ist ebenso unvergessen, wie andere Marken die zu sehen sein werden. Der 90 Jahre alte Rosengart LR 2 Sport von 1928 etwa wurde im Gründungsjahr der französischen Marke gebaut, die nur bis 1955 existierte. Christian de Maeyer wird in dem kleinen Fahrzeug mit weniger als einem Liter Hubraum Platz nehmen, das dennoch viel Sportsgeist in sich hat: Der Belgier gewann gemeinsam mit Cyrille Pastoree im vergangenen Jahr die Vintage Sports Car Trophy. Denn hier zählt nicht die Endgeschwindigkeit, sondern Konstanz: In den GLPs fahren die Teilnehmer gegen die Uhr und sollen einmal gesetzte Rundenzeiten möglichst exakt bestätigen, hinzu kommen die Ausfahrten in die Eifel und auf die Nordschleife, bei der die Zuverlässigkeit der betagten Technik ins Spiel kommt. Genau das richtige Betätigungsfeld für viele Halter von Vorkriegsautos – das beweisen die vielen treuen Teilnehmer. So wird Uli Sauer (Iserlohn) wieder im BMW 328 von 1938 an den Start gehen – er ist mit seinem 30er-Jahre-Sportwagen seit der ersten Auflage des AvD-Oldtimer-Grand-Prix mit von der Partie. Auch die prächtigen Mercedes-Benz-Kompressor-Rennwagen und ihre mächtigen historischen Gegenspieler aus dem Hause Bentley sind am Start und wecken Erinnerungen an die großen Rennsportereignisse der 20er und 30er Jahre. Aber auch neue Teilnehmer finden immer wieder den Weg zum Nürburgring. So ist der 1920er Protos von Roland Engel ebenso zum ersten Mal zu sehen, wie ein MG K1 aus dem Jahr 1933. Eine besondere Nuance erhält das Treffen durch ein neues Element, das die Organisatoren 2018 eingeführt haben: Zusätzlich zum motorsportlichen Vorkriegstreffen haben die Fahrer der entsprechenden Fahrzeuge die Möglichkeit, auch ohne Rennstreckenprogramm teilzunehmen. Eigentümer, die ihrem Klassiker die Härte der Rennstrecke ersparen wollen, können damit auch ein Teil des AvD-Oldtimer-Grand-Prix sein, und die Zuschauer am Ring werden es ihnen ganz sicher danken!

Foto: Albert Schäfer

Foto: Albert Schäfer

Rallye-Ikonen im Historischen Fahrerlager

Als Kontrast und dennoch harmonische Ergänzung zu den ältesten Rennwagen des Wochenendes finden sich im historischen Fahrerlager Rallyefahrzeuge. Die gut 20 Drift- und Schottererprobten Boliden werden von der Interessengemeinschaft „Slowly Sideways“ zum Nürburgring gebracht, für die am Samstag (ab 09:50 Uhr) und Sonntag (ab 08:35 Uhr) jeweils Fahrzeiten auf der legendären Nordschleife reserviert sind. Nicht wenige Besucher werden sich an einige der Fahrzeuge noch bestens erinnern – so etwa an den Audi Sport Quattro S1, den Walter Röhrl 1985 bei der Neuseeland-Rallye fuhr. Auch die Einsatz-fahrzeuge anderer berühmter Rallyepiloten sind am Start, etwa ein Rothmans-Porsche 911 SCRS, den Henri Toivonen einst über die Wertungsprüfungen scheuchte. Diese Rallyefahrzeuge schrieben ein eigenes Stück Motorsportgeschichte, die so ganz anders ist als die Historie des Rundstreckensports. So etwa die aus heutiger Sicht irrwitzig langen Distanzen, die zu überwinden waren – etwa bei der World-Cup-Rallye London–Mexiko im Jahr 1970. Ein Ford Escort Mk1 TC (Andrew Cowan) der Slowly-Sideways-Gruppe nahm an ihr Teil. Oder auch die Witterungsbedingungen, unter denen die Rallyesportler noch fahren: die verschneiten Passstraßen der französischen Seealpen, die bei der Rallye Monte Carlo auf dem Programm stehen, sind ein Beispiel dafür, und ein sehr seltener Austin Healey 3000 Mk2 im Rallye-Trim aus dem Jahr 1958 erinnert daran. Das historische Fahrerlager ist den Besuch beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix also definitiv wert, denn hier wird Motorsportgeschichte in faszinierenden Facetten erlebbar.

Foto: Albert Schäfer

Quelle: AvD Classic News
Fotos: Albert Schäfer

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Daniel Schaefer