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VW Kaefer Koenigsee Watzmann - 5

Versunkene Schiffe und Fahrzeuge üben auf Taucher oft einen besonderen Reiz aus. Mystisch zudem, wenn der Fundort wie in dem Fall dieses VW Käfer in einem Bergsee fernab jeglicher Straßen und Wege liegt. Der Ovali im Königssee am Watzmann.

Der fjordartige Königssee im Berchtesgadener Land liegt inmitten des Nationalpark Berchtesgaden. Der See ist tief und dementsprechend unerforscht. Seit Jahrzehnten verkehren hier nur Elektroboote zur kleinen Halbinsel und Wallfahrtskirche St. Bartholomä. Wir waren im Herbst 2014 am Königssee zu Gast und haben uns in den See sowie die Berge des Berchtesgadener Land verliebt. Die Geschichte des versunkenen Ovali, die man sich auf den Fährbooten des Königssee erzählt, hat mich jedoch nicht los gelassen. Keine Straßen führen um den See herum. Und doch ruht inmitten des Sees auf dem tiefsten Grund ein VW Käfer. Wie kann das sein?

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Bildquelle: Youtube

 

VW Käfer auf dem Grund des Königssee im Berchtesgadener Land.

In besonders kalten Jahren, wenn der Königssee zugefroren war und keine Schiffe mehr über den Königssee nach St. Bartholomä herüber fahren konnten, wurde der See für Fußgänger und Kraftfahrzeuge freigegeben. So auch im Jahr 1964. Am 28. Januar des Jahres war die Strecke über den See jedoch für den PKW-Verkehr durch eine Barriere gesperrt. So wurde auch ein 52-jähriger Kraftfahrer von den Nachtwächtern der Königssee-Schifffahrt an der Barriere zurück gewiesen. Doch zu groß schien der Wunsch in jener Nacht nach St. Bartholomä herüber zu fahren. Informationen zufolge wollte der Käfer-Fahrer seine Partnerin auf der Halbinsel am anderen Ende des Sees besuchen. Sie arbeitete als Bedienung im Gasthofs auf St. Bartholomä. So fuhr er ein Stück weiter zum ehemaligen Seebad an der Eisbahn in der Nähe des heutigen Restaurant Echostüble. Eine 40cm hohe Böschung führte ihn dort hinab auf das Eis des Königssee, welchen er sodann mit dem VW Käfer überquerte.

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Das leere Cockpit des VW Käfers - Bildquelle: Youtube

 

Auf dem Rückweg von der Halbinsel St. Bartholomä unterhalb des Watzmann jedoch kam der Wagen wohl vor der Falkensteinwand ins schlittern. Das Wasser war aufgrund der dortigen Tiefe des Königsees nicht zugefroren und der Volkswagen versank samt Fahrer im eisigen Wasser. Reifenspuren bestätigten dies am darauffolgenden Tag.

Entgegen eines Zeitungsartikels aus jener Zeit hatte der Fahrer des VW Käfer die nächtliche Überfahrt über den Königsee bis zur Halbinsel gemeistert. Auch sei der VW Käfer nicht eingebrochen, was eine Aussage der Enkelin Gisela Durst-Mrosek unter dem YoutubeVideo bestätigt:

Mein Opa J.H. hat mich sehr geliebt, ich war aber erst 2 Jahre alt und kann mich nicht erinnern. An der Falkensteiner Wand , fuhr er direkt ins offene Wasser, weil dort der See nur Stellenweise zugefroren war, bei einer Wassertiefe von 120 bis 122 Metern.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=YOSWJu-T608

Auszug aus dem damaligen Polizeibericht

Bei den eingeleiteten polizeilichen Ermittlungen wurde keine Eisabbruchstelle festgestellt, dagegen Autospuren, die vom Eis unmittelbar in das Wasser führten. Es ist keine Spur vorhanden, die darauf schließen ließe, dass der Wagen an irgendeiner anderen Eisstelle weitergefahren wäre. Es muss also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass der Wagen bei der Falkensteinerwand untergegangen und J.H. vom Salzberg mit dem Auto ertrunken ist. Der See ist an dieser Stelle ca. 120 Meter tief. Möge dieser tiefbedauerliche Unfall allen zur Warnung dienen, die immer noch glauben, den Königssee mit Kraftfahrzeugen auf Umwegen überqueren zu müssen.

Quelle: http://koenigssee.berchtesgadeninfo.de/berchtesgaden-winter/schatz-im-koenigssee/

Über 30 Jahre blieben der Ovali und sein Fahrer verschollen.

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Gefunden wurde der VW Käfer im Königssee vor einigen Jahren von einem bemannten U-Boot. Der Fischer des Königssees hatte das Unterseeboot gemietet, um u.a. die Fischschwärme des Sees am Watzmann genau zu ergründen. Aufgrund der Tiefe des Königssee ist es alles andere als einfach, dort hinab zu tauchen. Bei der Falkensteinwand ist das Wasser gar bis zu 120 Meter tief. Und genau dort liegt das Krabbeltier aus dem Hause Volkswagen samt Fahrer. Ab 1:45 kann man den Käfer im Video sehen.

Immer wieder kursieren Geschichten rund um den VW Käfer, die Geschichte um das Versinken und um den Fahrer. Der Fahrer des Käfers liegt, so wird berichtet, wenige Meter neben dem Fahrzeug auf dem eisigen Grund des Sees. Aufgrund des geringen Sauerstoffgehalts des Wassers in dieser Tiefe sei er nach wie vor erstaunlich gut erhalten. Im Youtube-Video wurde der Fahrer aus Pietätsgründen jedoch ausgeblendet.

Hier tief unter der Wasseroberfläche liegt der versunkene VW Käfer.

 

Das Grab im kalten Wasser des Königssee

Ein Foto vom VW Käfer und dem Fahrer ist im Museum Carolinum Augusteum in Salzburg ausgestellt. Der VW Käfer und der Leichnam wurden auf Wunsch der Familie nicht aus dem Königssee geborgen. Der Alpensee am Watzmann soll sein Grab sein. Möge er in Frieden ruhen!

Mystisch bleibt es alle mal, wenn man weiß, was unter einem ruht, wenn man mit dem Touristen-Boot an der Falkensteinwand entlang fährt, um nach St. Bartholomä überzusetzen.

Mehr Bilder zum Königssee, St. Bartholomä und der Falkensteinwand findet ihr übrigens in einem Artikel auf OutdoorSucht.de.

Bildquelle: www.OutdoorSucht.de

 

Weitere Quellen und Links zum VW Käfer im Königssee bei Berchtesgarden

 

001.640

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003.640

 

Magazin unbekannt / Bild-Quelle des Zeitungsartikels:

http://www.taunuskaefer.de/_index.html?/_verschollen.htm

Sonstige Quellen:

https://www.facebook.com/groups/380457172025083

http://www.merkur-online.de/lokales/regionen/geister-172537.html

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Michael Peschel

ist Betreiber und Redakteur von GERMANMOTORKULT. Als freier Redakteur ist er in der Welt der Medien zu Hause. Mit seiner Agentur MOTORMARKETING betreut er seine Kunden in den Bereichen Social Media Management, Homepageerstellung und Presse.

1 KommentarHinterlasse einen Kommentar

  • Total krass, ich habe das auch verfolgt seinerzeit. Außerdem kam ich auch schon in den Genuss, bei einem Freund ein lange versunkenes Auto (12 Jahre) zu bestaunen. Er geinnt gerade mit der Wiederaufbereitung. Natürlich sind diese Umstände – Gott Lob – nicht so dramatisch. Rein auf das Fahrzeug bezogen fand ich es aber interessant zu sehen, wie der Zustand nach mehreren Jahren unter Wasser ist…
    AUßerdem finde ich es prima, dass Sie in diesem Artikel mal die Quellen zusammenführen und ich nicht ständig weiterklicken muss, um bis ans Ende zu lesen. Hat mir sehr gut gefallen.

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